Freunde

Freunde sind für einander da.
Freunde kann man anrufen, wenn es einem schlecht geht.
Freunde hören einander zu und stehen bedingungslos hinter einem.
Mit Freunden kann man über Probleme sprechen – sowohl über Probleme im eigenen Leben als auch über Probleme in der Freundschaft.

Was bedeutet das?

Sind Freunde auch dann noch Freunde, wenn einer der Punkte nicht zutrifft? Müssen alle Punkte zutreffen? Was ist mit Menschen, mit denen man nicht über Probleme sprechen kann? Sind das Freunde oder nur Bekannte? Gute-Laune-Freunde? Was ist mit Freunden, mit denen man nur über Probleme sprechen kann, solange es nicht sie selbst betrifft? Oder Freunde, die sich, sobald man ein Problem innerhalb der Freundschaft anspricht, sofort entschuldigen und damit das Gespräch über die Beziehung sofort im Keim ersticken. Was ist mit Freunden, die theoretisch immer da sind, praktisch aber nie erreichbar? Oder mit Freunden, die oft da sind und in Krisenzeiten unterstützen, ab und zu jedoch sehr verletzende Dinge sagen?

Freundschaften verändern sich. Und wenn sich im Leben des einen etwas grundlegend ändert ganz besonders. Durch eine Krebserkrankung ändert sich das ganze Leben. Durch eine Traumatherapie auch. Durch eine gleichzeitige Trauma- und Krebstherapie erst recht. Ich bin nicht mehr der Mensch, der ich vorher war. Ich verändere mich. Meine Gedanken verändern sich. Meine Gefühle verändern sich. Und mein Verhalten verändert sich. Ich verändere mich sehr zum positiven. Ich habe nicht mehr das Gefühl, in einem Gefängnis zu sitzen und das Leben durch ein Fenster betrachten zu müssen. Ich habe nicht mehr das Gefühl, nicht dazuzugehören und anderen beim Leben zuschauen zu müssen. Jetzt darf ich mitspielen. Zum ersten Mal. Zum ersten Mal seit über 30 Jahren bin ich mit dabei statt nur Zuschauer zu sein. Das ist ungewohnt. Auch für mich. Ich weiß nicht, wie das geht. Leben. Was ist denn das? Was macht man da? Wie findet man raus, was man möchte? Ich weiß, wie es ist, mit einer heftigen Panikattacke auf der Tanzfläche zu stehen und sterben zu wollen, weil das Gefühl unaushaltbar schlimm ist. Ich weiß auch, wie es ist, tanzen gehen zu wollen, aber vor lauter Angst nicht zu können. Ich weiß, wie es ist, wenn man irgendwann nicht mehr gefragt wird, ob man mitkommen möchte. Und ich weiß auch, wie es ist, wenn man sich selbst fragt, ob man tanzen vielleicht in Wirklichkeit blöd findet, um sich nicht wieder und wieder mit seiner Angst konfrontieren zu müssen. Weil sie zu schlimm ist. Weil man sich wieder und wieder fragt, wie man diesen psychischen Schmerz aushalten soll. Und dennoch versucht man sich wieder und wieder in diese Situation zu begeben. Man sucht sich Sicherheitsmenschen – Menschen, die um die Angst wissen. Menschen, die einen retten. Die da sein sollen, wenn man um Hilfe schreit. Und die im Ernstfall nicht da sind. Die zustimmen und einen Moment später weglaufen. Menschen, in denen man sich getäuscht hat. Sind das echte Freunde? Oder haben sie Recht, wenn sie sagen, dass man eben schwierig sei und einsehen müsse, dass es nicht einfach sei, mit einem befreundet zu sein? Sagen Freunde so etwas? Und was ist danach? Wenn das Trauma besiegt ist und die Panikattacken verschwinden? Wie erklärt man, dass man sich verändert hat? Man selbst spürt es in jeder Minute und hat das Gefühl, es aus jeder Pore auszustrahlen. Und dennoch merkt man immer wieder, dass die alten Freunde es nicht merken. Dass das alte Bild fest sitzt.

Krebs ist ein Arschloch. Nicht, dass man ein Trauma so einfach loswürde. Auch da gibt es immer wieder Gedankenrückfälle, auch wenn sie im Vergleich zu früher fast schon zu vernachlässigen sind. Beim Krebs ist es anders. Er ist hartnäckiger. Er möchte nicht gehen und lässt eine Erschöpfung zurück, die das Leben beeinträchtigt. Ich lebe. Ich bin da und ich lebe. Hier und jetzt. Nicht hinter Glas. Ich bin da und ich lebe. Ich habe Träume und Wünsche. Ich habe vieles im Leben verpasst. Ich habe über 30 Jahre lang existiert und ÜBERlebt, aber ich habe nicht GElebt. Und jetzt bin ich da. Und ich will alles. Ich möchte singen und tanzen. Ich möchte im See schwimmen und durch den Wald spazieren. Ich möchte neue Orte kennenlernen und reisen. Ich möchte Heißluftballon fahren und paragliden. Ich will Abenteuer und Action und Neues erleben. Aber Horst-Rüdiger streckt die Hand aus seinem Grab und hält mich fest. Ich kann nicht so, wie ich gerne möchte. Aber ich kann auch nicht mehr nichts. Ich kann eine Party feiern, aber nicht anschließend tanzen gehen, weil mich einkaufen und vorbereiten bereits zu sehr geschwächt haben. Ich kann es nicht aushalten, nicht tanzen zu gehen, weil ich es mir so sehr wünsche. Es ist schwer, anderen dabei zuzusehen, wie sie sich meine Wünsche erfüllen. Noch mehr, wenn meine Träume ihr Alltag sind.

Freunde. Die alten Freunde kommen mit meinen Veränderungen nicht mit. Was ist mit neuen Freunden? Neue Freunde lernen mich ohne Trauma kennen. Neue Freunde wissen erst einmal nichts von meiner Vergangenheit. Aber meine Vergangenheit gehört zu mir. Ich bin nicht ich ohne meine Vergangenheit. Ich bin nicht mein Trauma und ich bin nicht mein Krebs. Aber sie gehören zu mir. Und ich möchte sie erzählen. Nicht ständig und überall, aber eine enge Freundschaft mit mir funktioniert nur, wenn ich mich zeigen darf. Wenn ich zeigen darf, wer ich bin, wer ich war und wer ich sein möchte. Wenn ich meine Gedanken und Gefühle erklären darf und dennoch oder gerade deswegen akzeptiert werde. Ob das schwierig ist? Sicherlich. Mein Leben war immer schwierig. Ob nicht jeder damit klarkommt? Definitiv. Aber anders funktioniert es nicht. Gute-Laune-Freundschaften möchte ich nicht. Für Gute-Laune-Freundschaften bin ich mir zu schade. Ich habe mehr verdient. In einer Freundschaft gebe ich alles. Ich möchte lachen und weinen, mir Probleme anhören und Probleme erzählen, gemeinsam singen und tanzen und wenn es nötig ist auch gemeinsam weinen. Nur singen und tanzen funktioniert genauso wenig wie nur weinen.

Wie ist das für andere, wenn ich sagen muss „Ich würde unglaublich gerne xyz, aber ich kann aufgrund meiner Erschöpfung nicht“? Bin ich schon wieder abgestempelt als die, die sowieso nie mitkommt? Schon wieder? Versteht jemand, wie schlecht es mir damit geht? Dass ich will, aber nicht kann? Ich möchte nicht, dass niemand mehr tanzen geht, nur weil ich nicht mitkommen kann. Aber ich wünsche mir Verständnis und in besonderen Situationen Rücksichtnahme.

Ist es wirklich so schwierig, mit mir befreundet zu sein? Warum ist es so schwierig, über sich selbst zu sprechen? Warum fällt es vergleichsweise leicht über Freundschaftsprobleme mit anderen zu sprechen, aber so schwer, über genau dies mit ebendiesem Freund direkt zu besprechen? Warum muss man Angst haben, etwas anzusprechen, weil man bereits ahnt, dass der andere nicht damit umgehen kann? Warum schweigt man aus Angst, die Freundschaft nicht zu gefährden? Möchte man Freundschaften, die eine ehrliche und offene Aussprache nicht überleben würden? Warum also nicht das Risiko eingehen? Weil man damit schon auf die Schnauze gefallen ist. Weil zu viele Freundschaften zerbrochen sind. Beziehungen sind individuell. Und anstrengend. Ich bin wie ich bin. Ich habe mich sicherlich sehr verändert und verhalte mich auch in Freundschaften mittlerweile anders. Aber es prägt, wenn man sowohl abgewiesen wurde, weil man zu viel geschwiegen hat, als auch, weil man offen und ehrlich war. Wie verhält man sich richtig, wenn es kein „richtig“ gibt?

Hilfe annehmen

„Gibt es jemanden, der Sie unterstützen kann, der Ihnen im Alltag behilflich sein kann?“

Diesen Satz habe ich in der Reha mehrfach gehört. Von verschiedenen Therapeuten.
Ja, so jemanden gäbe es schon. Aber ich brauche keine Hilfe. Ich bin Superwoman. Ich habe den Krebs besiegt. Und das Trauma. Ich kann alles schaffen.

Ich muss alles allein schaffen. Das ist ein Satz aus meiner Traumavergangenheit. Ich muss alles allein schaffen und ich muss perfekt sein, um geliebt zu werden. Perfekt sein ist unmöglich. Geliebt werde ich dennoch. Also scheint der Satz falsch zu sein. Dieser Glaubenssatz war für mich wichtig, um das Trauma zu überstehen, aber heute hat er keine Berechtigung mehr. Und falsch war er auch früher schon. Was also ist mit Ich muss alles allein schaffen? Auch das ist ein Satz, den ich in der Vergangenheit für wahr gehalten habe. Aber warum? Um ein vollständiger Mensch zu sein? Um gleichwertig zu sein? Um geliebt zu werden? Glaubenssätze sind Arschlöcher!! Arschlöcher hoch zehn!! Irgendwann realisierte ich, dass sie nicht wahr sind und dennoch ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich sie denke. Ich glaube nicht mehr, dass ich alles allein schaffen muss, aber ich möchte alles allein schaffen. Und da bin ich wieder bei „erst, wenn ich… Vollzeit arbeiten kann/meinen Haushalt allein geregelt bekomme/5 km joggen kann/schlank bin/mich schön finde/…“ Was dann? Nichts dann. Wenn ich meinen Haushalt allein geregelt bekomme, bekomme ich meinen Haushalt allein geregelt und nichts weiter. Dann werde ich nicht mehr geliebt, dann fühle ich mich nicht allumfassend besser, dann bin ich nicht glücklicher. Dann fühle ich mich vielleicht nicht mehr ganz so unfähig, ok. Aber ist es das wert?
Ich habe gestern bei 300 Grad 3 Maschinen Wäsche gewaschen, die Spülmaschine aus- und eingeräumt, Müll runtergebracht, Partysachen in den Keller geräumt, Pfandflaschen zusammen gepackt und war einkaufen. Als ich zurückkam hab ich hyperventiliert, geschrieben und geweint. Ich konnte das nicht mehr kontrollieren. Dabei hatte ich doch kaum etwas gemacht. Nur ein Minimum an Haushalt.
Doch! Ich hatte etwas gemacht. Und ich hatte ganz sichtbar zu viel gemacht. Ob mir das nun passt oder nicht. Danach wird ja nicht gefragt.

Es gibt Menschen in meinem Leben, die mir ihre Hilfe anbieten und dafür bin ich sehr dankbar. Vor einer Woche habe ich mir zum ersten Mal von einem Freund beim Putzen helfen lassen. Vorgestern habe ich zum ersten Mal zugelassen, dass mir Essen gebracht wird. Das war schwer. Das war sehr schwer. Ich weine auch jetzt beim Schreiben. Ich möchte alles allein schaffen. Aber das geht nicht. Wer mein Leben kennt, weiß, dass ich ungewöhnliche Belastungen habe und durch die Erkrankung ungewöhnlich wenig Kraft. Es ist ein Irrsinn, zu glauben, ich könne alles allein schaffen. Selbst wenn ich gesund und relativ sorgenfrei lebte, wäre ich nicht perfekt und könnte nicht alles allein schaffen. Das ist ja auch das tolle an Freunden!
Aber ich messe mit zweierlei Maß. Für mich ist es selbstverständlich, andere zu unterstützen. Im umgekehrten Fall fühlt es sich an, als müsse ich zustimmen, dass sich jemand für mich ein Bein abhackt.

Ich übe. Ich arbeite an mir. Ich möchte mir helfen lassen. Nein, das ist gelogen. Aber ich versuche es trotzem.

Es wäre schön, die  wenige Zeit, in der Kraft habe, nicht in Haushalt und Müssen zu stecken, sondern in Wollen und in Schönes. Und wenn ich dazu Hilfe annehmen muss, dann ist das wohl so.

Ich lebe!

Ich lebe! Und das ist das Einzige, das zählt! Naja, vielleicht nicht das Einzige. Aber die Hauptsache! Und so Vieles wird auf einmal unwichtig.

Vor meiner Reha dachte ich, dass ich mit Leichtigkeit vier Stunden arbeiten können muss. Es sind ja nur vier Stunden. Die Hälfte von acht Stunden. Und eigentlich müsste ich ja acht Stunden arbeiten können. In meinem Alter. Und überhaupt. Und so ein Haushalt macht sich ja auch von allein. In so einer kleinen Wohnung. Und Sport. Zwei Mal pro Woche muss schon sein. Und Freunde. Freunde sind wichtig.

Vor der Reha habe ich mit letzter Kraft die vier Stunden geschafft. Wenn ich überall sonst Abstriche gemacht habe. Nicht geputzt. Kein Sport. Selten Freunde getroffen. Aufgestanden, zur Arbeit gefahren (mit der Bahn selbstverständlich, zum Radfahren war nicht genug Kraft vorhanden), vier Stunden gearbeitet, ins Bett gelegt und an die Decke gestarrt. Und am nächsten Tag von vorne.

Nun also endlich die Reha. Drei Wochen am Meer sitzen. Sport machen. Wieder mit Radfahren beginnen. Schwimmen. Lachen, Singen, Tanzen. Und zu Hause mit Leichtigkeit vier Stunden arbeiten, putzen, sporteln und dann Party! So der Plan.

Nachdem ich mehr als eine Woche aufs Meer gestarrt hatte und nicht einmal die Ruhe zum Lesen fand, brachte die Tanztherapie den Durchbruch. Ich musste nicht denken, ich musste nichts analysieren und ich musste keine vorgegebene Kraftanstrengung aufbringen. Die Musik begann und mein Körper tanzte. Nicht vorsichtig und unscheinbar in der Ecke, sondern voller Power quer durch den Raum. Als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Ich tanzte und ich schrie und ich weinte. Bis zur Erschöpfung.

Ich durchlebte eine Gehirnwäsche. Durch die Therapeuten, durch das Tanzen und durch das Meer. Ich erreichte mein Ziel nicht. Und ich wollte es auch nicht mehr erreichen. Ich möchte nicht mehr funktionieren. Ich möchte nicht mehr müssen. Ich möchte wollen. Und ich möchte leben. Mein Leben wird nicht schöner, wenn ich es schaffe, meine Wohnung zum Strahlen zu bringen. Aber mein Leben wird schöner, wenn ich es schaffe, mich zum Strahlen zu bringen.

Das Ziel sind nicht vier Stunden Arbeit und eine glänzende Wohnung. Das Ziel ist Zufriedenheit. Das Ziel sind glückliche Momente. Das Ziel ist ein Lächeln in meinem Gesicht. Und dieses Ziel erreiche ich nicht mit Leistung. Dieses Ziel erreiche ich nur durch Loslassen. Die Erschöpfung ist da. Ob ich damit leben kann oder nicht. Die Erschöpfung ist da und auch wenn die Statistik sagt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie wieder verschwindet, größer ist als dass sie ein Leben lang bleibt, ist sie im Moment nun einmal da. Und ich kann sie nicht beeinflussen. Ich kann sie auch nicht akzeptieren, aber das interessiert die Erschöpfung nicht. Sie ist einfach da.

Wie also kann ich Zufriedenheit, glückliche Momente und ein Lächeln in meinem Gesicht erreichen, wenn ich die Erschöpfung nicht wegzaubern kann?
Indem ich mir helfen lasse. Indem ich nur drei Stunden arbeite. Indem ich eine Haushaltshilfe beantrage. Indem ich mich auf die Suche nach einer Psychoonkologin und einer Tanztherapeutin mache. Fällt mir das leicht? Nein. Gar nicht. Habe ich das Gefühl, versagt zu haben? Selten. Immer weniger. Das hier ist mein Leben. Und ich liebe dieses Leben. Es war nie schön. Es gab schöne Momente, aber glücklich war dieses Leben nie. Die meiste Zeit habe ich es gehasst. Aber ich habe das Trauma überwunden. Ich habe Hörst-Rüdiger besiegt. Ich bin stärker als die stärksten Feinde und ich habe es verdammt nochmal verdient, zufrieden zu sein, glückliche Momente zu erleben und zu lächeln. Ich habe es verdient! Und wenn ich dafür eine Haushaltshilfe brauche und meine Arbeitszeit noch weiter reduzieren muss, so what?!

Ich bin wichtig! Ich bin ein toller Mensch! Und ich werde lächeln! Und ich scheiß drauf, wenn das jemand nicht versteht. Ich scheiß drauf, wenn jemand sagt, ich muss aber doch. Ich muss nämlich gar nichts, außer ab und zu atmen und irgendwann sterben. Und im Moment wird geatmet. Und wie geatmet wird.

In diesem Sinne – Mir scheißegal, ich feier!

 

 

Liebe

Geborgenheit
kuscheln
füreinander da sein
den Sonntag vergammeln
Kaffee trinken im Bett
und Rotwein auf dem Balkon
Kopf kraulen
und Rücken
Spontantrips
spazieren gehen
Vertrauen
Ehrlichkeit
alles sagen können
und alles hören wollen
lachen
Gemeinsamkeiten
im Kino knutschen
und im Park auch
und am Rhein
hübsch sein ohne sich hübsch zu machen
sich dennoch hübsch machen wollen
strahlen
leuchtende Augen
Überraschungen
im Bett liegen und sich anschauen
gemeinsam schweigen
glücklich sein

Träume

im Park liegen
in den Himmel schauen
Reisen
Geborgenheit
singen
Familie
gemeinsam träumen
barfuß über eine Wiese laufen
frischgebackenes Brot
auf Konzerten laut mitsingen
Wein auf dem Balkon
tanzen
den ganzen Sonntag im Bett liegen und Serien schauen
Tretboot fahren
lachen
lieben
vor Freude schreien
Seifenblasen
Plätzchen backen
Kater kuscheln
Pusteblumen
Kleider
Gemeinsamkeiten
fotografieren
Neues entdecken
spontan sein

5 Monate später

Das Leben geht weiter, der Kampf geht weiter und meist habe ich das Gefühl, dass ich nichts Neues erzählen kann.

Ich habe fast 4 Monate berufliche Reha inkl. 3,5 Wochen Praktikum hinter mir und wenn ich diese Zeit in einem Wort zusammen fassen müsste, lautete dieses Wort wie immer „Kampf“. Es ist mal wieder sehr viel schief gelaufen und ich musste unter inkompetenten und unfähigen Mitarbeitern leiden, Infos wurden nicht weitergegeben, es wurden unwissend Entscheidungen getroffen und meine Meinung oder gar meine gesundheitliche Situation waren leider nebensächlich.

Ich möchte nicht mehr kämpfen und ich möchte nicht mehr leiden.

Ich möchte LEBEN! Mit allem, was dazu gehört!
Ich möchte leben und lieben und lachen!
Ich lebe und liebe und lache. Immer wieder. Und es ist wundervoll. Ich lache und ich tanze und ich erlebe unbeschwerte Momente.
Ich möchte mehr solcher Momente erleben. Ich möchte mir Träume erfüllen. Ich möchte die Kraft haben zu leben.

Ich bin nicht gesund. Ich bin tumorfrei. Ich bin eingeschränkt. Ich kann mich nicht selbst finanzieren, ich kann nicht joggen, ich kann keinen Tag ohne Pause durchstehen und ich sehe noch nicht wieder aus wie vorher.
Aber ich kann wieder arbeiten. Ich kann wieder lachen, ich kann wieder tanzen und ich kann wieder radfahren. Ich kann so vieles. Nicht in vollem Umfang. Nicht so, wie ich es gerne hätte. Aber ich kann es wieder. Es ist ein Anfang. Und nicht das Ende. Ich werde weiterkämpfen. Da kann noch so vieles kommen. Da WIRD noch so vieles kommen.

Ich bin bereit. Ich bin heiß auf das Leben. Los geht’s!

Wie geht es mir?

Die Krebsbehandlung ist nun fast 10 Monate vorbei. Der Krebs ist weg. Die Haare wachsen wieder. Ich bin gesund. Alles ist wieder wie vorher.

Wie gerne würde ich das schreiben. Die ersten drei Sätze stimmen, aber nichts ist wie vorher. Und „gesund“ ist Definitionssache. Der Krebs ist weg, aber gesund fühle ich mich noch lange nicht.

Etwa ein halbes Jahr vor der Krebsdiagnose begann ich eine Traumatherapie, die ich während der Krebsbehandlung fortführte. Diese Therapie hat mein Leben entscheidend verändert. Während ich 15 Jahre lang das Gefühl hatte, in einem Glaskasten zu sitzen und anderen beim leben zuzusehen und selbst nicht mitspielen zu dürfen, fühle ich mich jetzt befreit, angekommen und innerlich stark. Ich habe sehr damit zu kämpfen, dass ich die letzten 33 Jahre vieles verpasst habe, wichtige Erfahrungen nicht gemacht und eben einfach nicht gelebt habe. Aber ich habe jetzt die Chance, vieles nachzuholen. Ich werde nicht mehr von Angst und Panikattacken beherrscht und kann jetzt endlich die Welt bereisen, lachen, tanzen, singen und leben. Kann… Könnte… Wäre da nicht Horst-Rüdiger. Dass Horst-Rüdiger ein Arschloch ist, ist bekannt. Bei seiner Todesdiagnose haben wir gelacht, gesungen und getanzt. Aber Horst-Rüdiger hat Spuren hinterlassen.

36 kg habe ich während der Krebstherapie zugenommen. 25 kg habe ich bislang wieder abgenommen. 20 kg in etwa 20 Wochen und die restlichen 5 kg auch in etwa 20 Wochen. Gerade geht seit 4 Wochen wieder gar nichts. Vermutlich sollte ich mich über den Erfolg freuen. Stattdessen bin ich frustriert und kann meinen Körper nicht leiden. 11 kg fehlen zum Vorkrebsgewicht, 21 kg zum Traumgewicht.

Die Haare wachsen seit einem Jahr wieder. Von Monchichi über den Afrolook und Momo war alles dabei. Eine sehr kurze Zeit hatte ich traumhafte Locken in einer wunderschönen Länge. Diese Locken waren für mich das Bild meines neuen Ichs, das nun endlich leben darf. Von einem auf den anderen Tag waren die Locken weg. Ich konnte mir lange nicht vorstellen, wie Locken verschwinden sollen. Aber dann gings zack bumm peng – weg waren sie. Kein neues Ich. Kein neuer Look. Aber irgendwie auch nicht wie vorher. Komisch. Ich bin unzufrieden und suche noch nach einem neuen Look und einer neuen Frisur.

Zu Beginn dieses Jahres ging meine körperliche Fitness steil bergauf. Ich konnte walken und schwimmen und die Gewichte an den Geräten konnten kontinuierlich erhöht werden. Auf einmal war dies anders. Die Gewichte mussten in dreifacher Geschwindigkeit wieder runtergeschraubt werden, ich konnte nicht mehr die große Runde walken, die ich selbst direkt nach der Reha schaffte und ich stand immer öfter wieder irgendwo in der Stadt, im Park oder beim Einkaufen und wusste nicht, wie ich nach Hause kommen sollte.
Wenn man es beim Sport übertrieben hat und alles weh tut und die Beine zittern, der Kreislauf im Keller ist, der Körper schwankt und man stark schwitzt, ruht man sich aus. In diesem Zustand wache ich häufig auf. Ich bin häufig nach ein oder zwei Terminen am Tag völlig am Ende und musste schon häufig Treffen absagen oder meine Freunde mit „ich muss gucken, wie es mir geht“ vertrösten. Ich habe mir schon zwei Mal beim Putzen meiner Wohnung helfen lassen und bestelle ab und zu Essen beim Lieferservice, weil ich keine Kraft zum Kochen habe.

Meine berufliche Reha ist genehmigt und ich werde voraussichtliche am 14. Oktober beginnen. Ich freue mich sehr, dass es endlich weitergeht, habe jedoch auch Angst vor der Anstrengung. Der Rehatag beginnt um 8 Uhr und dauert Mo/Di bis 16, Mi bis 15 und Do/Fr bis 12 Uhr. Die Anfahrt beträgt eine knappe Stunde. Im Moment beträgt mein Schlafbedürfnis etwa 10-11 Stunden in der Nacht, manchmal kommen noch 2-3 Stunden am Tag dazu. Wenn ich mich mit Freunden treffe oder körperlich nicht anstrengende Termine erledige, bin ich nach etwa 3-7 Stunden körperlich so erschöpft, dass ich mich hinlegen muss, je nach Tagesform. Wie ich 10 Stunden Reha schaffen soll, ist mir ein Rätsel. Ich darf mir dort Pausen nehmen und mich hinlegen. Wir werden sehen, wie das klappt. Dennoch freue ich mich, dass ich einen weiteren Schritt in Richtung „normales Leben“ machen kann.

Ich habe endlich zwei kompetente Physiotherapeuten, die die Lymphdrainage an der Brust direkt machen, so dass die Schmerzen nicht mehr so stark sind. Den rechten Arm kann ich noch nicht wieder komplett bewegen, aber auch daran wird gearbeitet. Es frustriert mich sehr, dass ich aufgrund der Lymphflussprobleme immer noch keine Bügel-BHs tragen darf. Bügellose BHs, gerade in größeren Größen, bedecken mehr als dass sie stützen. Ich habe immerhin mittlerweile ein paar halbwegs hübsche gefunden, aber meine Brust sieht darin nicht halb so gut aus wie vorher in den Bügel-BHs.

Ich habe seit ein paar Wochen einen neuen Arzt. Nachdem sowohl die Gynökologin als auch die Senologin sagten, dass meine extreme Erschöpfung ein normaler Einbruch sei bzw. Fatigue, die jetzt 5 Jahre anhalten und an der ich nichts ändern könne, bin ich jetzt bei einem Allgemeinarzt in Behandlung, der schulmedizinisch, aber auch mit Naturheilverfahren arbeitet. Ich mache gerade eine Eigenbluttherapie. Dabei wird Blut aus der Vene im Arm entnommen, mit homöopathischen Mitteln angereichert und in den Muskel im Po gespritzt. Mein Körper schafft es im Moment nicht, sich selbst zu regenerieren, weil „der Chemotornado alles platt gemacht hat“. Durch die Eigenbluttherapie nimmt mein Körper das eigene Blut als Fremdkörper wahr und kann besser dagegen ankämpfen. Diese Methode wird auch als Doping verwendet und klingt für mich einleuchtend. Funktioniert leider bisher jedoch nicht. Die ersten 3-4 Mal könne es zu einer Erstverschlechterung kommen. Jetzt habe ich 7 von 10 Sitzungen hinter mir und nach deutlicher Verschlechterung geht es mir mittlerweile maximal so wie vor der Therapie. Jetzt wurde im Darm etwas gefunden, was in 2 Wochen noch genauer untersucht wird. Da wird dann mit Homöpathie gearbeitet. Ob das was bringt, weiß ich nicht, aber nachdem ich das ganze Jahr über so froh war, keine Medikamente mehr nehmen zu müssen, würde ich mittlerweile auch nackt im Regen tanzen, wenn das helfen würde.

Erschöpfung

Eigentlich geht es mir nicht schlecht. Aber richtig gut geht es mir leider auch nicht.

Das Jobcenter sollte mir schon längst Geld überwiesen haben. Viel Geld. Hat es aber nicht. 3 Mahnungen haben bislang nichts gebracht. Ich mahne weiter 2x pro Woche, aber das zehrt ganz schön an den Kräften.

Die Agentur für Arbeit hat mitgeteilt, dass sie meinen Antrag auf berufliche Reha bekommen haben, bearbeitet wurde er allerdings auch noch nicht.

Die medizinische Reha ist auf nächstes Jahr verschoben. Meine Info der ersten Rehaklinik war falsch. Die zweite Reha muss innerhalb von zwei Jahren, nicht innerhalb von einem Jahr erfolgen und meine Ärztin findet das zweite Jahr besser. Also weiter hoffen auf Borkum 2016.

Vor vier Wochen hatte ich auf einmal Schmerzen in der erkrankten Brust. Also ging ich zu meiner Ärztin, die sagte, ich könne jederzeit zu ihr kommen. Leider hatte sie keine Zeit und ich bekam einen Termin für die kommende Woche. Einen Tag später wurde ich von der Helferin angerufen und der Termin wurde wieder abgesagt. Zwei Wochen vorher sei im Ultraschall schließlich alles in Ordnung gewesen. Aber ich solle unbedingt damit zu meiner Gynäkologin gehen. Ja, was denn nun?! Entweder kann nichts sein, weil vor zwei Wochen auch nichts war (so ähnlich wie „ihr Bein kann nicht gebrochen sein, war es vor zwei Wochen schließlich auch nicht“) oder ich soll damit dringend zur Ärztin. Dass das ein Tumor ist, hatte ich auch gar nicht angenommen, aber nur weil man vor zwei Wochen keinen Gehirntumor hatte, geht man mit einer Platzwunde ja dennoch zum Arzt. Den Notfalltermin bei der Gynäkologin bekam ich dann auch erst eine Woche später. Diese stellt eine deutliche Rötung und eine heiße Brust fest und es stellte sich heraus, dass auch die Erschöpfung und das Fieber in der vergangenen Woche zu einer Brustentzündung passen (dann hätte ich keine Lymphdrainage machen dürfen, zu der ich in der vergangenen Woche noch zwei Mal ging). Komischerweise gab es keine Entzündungszeichen im Blut, so dass es möglicherweise ein Lymphstau war. Was auch immer es war, seit dieser Woche habe ich immer mal wieder Schmerzen, bin deutlich erschöpfter als vorher und nicht mehr so leistungsfähig. Allein, dass ich beim Krafttraining die Gewichte reduzieren muss, macht mir Angst. Und meine Wut auf meine liebste Lieblingsärztin, der ich blind vertraute, ist nicht gerade gering, vor allem, nachdem deren Helferin nach mehrmaligem Nachfragen es leider in drei Wochen nicht geschafft hat, meinen vorbereiteten Text für das Reha-Gutachten in den Briefkopf zu kopieren, wie die Ärztin es versprochen hatte, so dass ich nun kein Gutachten dieser Ärztin für die berufliche Reha einreichen konnte.

Ich bin einfach so unglaublich erschöpft. Sport erschöpft mich. Termine erschöpfen mich. Die ständigen Gedanken um Geld, um berufliche Zukunft, um private Zukunft und um Gesundheit erschöpft mich…

Krebs – ein subjektiver Erfahrungsbericht

  • Sonntag Nachmittag unter der Dusche einen Knoten in der rechten Brust ertasten
  • nicht mehr atmen können
  • den Freundinnen Nachrichten schreiben
  • allein sein
  • Ablenkung in einem Internetforum
  • Montag Morgen, 8 Uhr, Wartezimmer Frauenarzt
  • Biopsie bei der Senologin
  • Brustkrebs, 3% Hoffnung
  • die erste Mammographie überhaupt
  • immer noch allein
  • Fassungslosigkeit per Whatsapp und im Forum
  • Vorstellungsgespräch absagen
  • Ganzkörpercheck, wieder allein
  • Port einsetzen, diesmal mit Unterstützung
  • Eierstockgewebe entnehmen
  • keine Zeit zu realisieren, was hier passiert
  • Chemo
  • Angst, immer wieder Angst
  • Was passiert hier überhaupt?
  • Kopf rasieren wird zelebriert und in Fotos und Videos dokumentiert, einer der lustigsten Abende meines Lebens
  • Jede Woche mit dem Taxi ins Krankenhaus: Blut, Blut plus Herzecho, Blut plus Chemo. Allein.
  • Lesen, Hörbücher, Liegen – Beistand im Handy, physisch allein
  • eine Affäre, die nicht damit umgehen kann und zur Exaffäre wird
  • Nebenwirkungen
  • zu Hause im Bett liegen
  • Karneval feiern und alle mit Fitness und guter Laune überraschen
  • verlieben
  • immer schwächer werden
  • Sport machen, so gut es geht
  • OP
  • Horst-Rüdiger ist tot
  • Unsicherheit, ob das Herz die zweite Chemorunde gut übersteht
  • Zweitmeinung
  • große Angst
  • erste Beziehungsprobleme
  • Ostseeurlaub
  • die zweite Runde Chemo ist viel schlimmer als die erste Runde
  • extreme Übelkeit, Notaufnahme, Verzweiflung
  • wunderbare WM-Momente mit Freunden
  • weinend an Hausfassaden festhalten, weil die 200m von der Bahn zum Gesangsunterricht kaum zu bewältigen sind
  • anrufen und um Hilfe bitten, weil der Weg vom Supermarkt nach Hause allein nicht machbar ist
  • und immer wieder Einsamkeit
  • die Beziehung wird zur Belastung
  • Zelten im Regen
  • Bestrahlung
  • Wie kann die Bestrahlung zu solcher Erschöpfung führen?
  • die Haut hängt in Fetzen
  • Ende der Therapie
  • Ende der Beziehung
  • allein
  • einsam
  • Übergewicht
  • Schmerzen
  • Reha
  • körperlich fitter werden
  • Pläne schmieden
  • ein beschissenes Date
  • arbeiten wollen
  • Arbeitsamtmitarbeiter, die keine Ahnung von ihrem Job haben und zur Verzweiflung treiben
  • Angst
  • Unsicherheit
  • Einsamkeit
  • Wie geht es weiter?
  • Wird es irgendwann ein normales Leben geben?

Liebes Arbeitsamt – So nicht!

Liebes Arbeitsamt,

bei dir läuft doch wirklich einiges schief. Warum stellst du solche Mitarbeiter ein? Waren die ansonsten nicht mehr vermittelbar? Wie kannst du Menschen beschäftigen, die nicht wissen, was zu ihrem Job gehört und die ständig falsche Auskünfte geben, die mein berufliches Leben erheblich beeinflussen? Ich bin eine Kämpferin und ich werde kämpfen! Denn so geht niemand mit mir um!

Mitarbeiterin 1, Agentur für Arbeit:
Wir haben ja ein ärztliches Gutachten, alles klar, Sie brauchen eine berufliche Reha zur Wiedereingliederung in den Job. Zusätzlich können Sie ALG II beantragen, das machen Sie im Jobcenter. Dann bekommen Sie einen zweiten Vermittler, aber ich bleibe Ihr Ansprechpartner und leite jetzt die Reha in die Wege.

Mitarbeiterin 2, Jobcenter:
Reha? Jaja, besprechen Sie das beim Termin mit dem Vermittler.

Mitarbeiterin 3, Jobcenter:
Nein, Mitarbeiterin 1 ist nicht mehr für Sie zuständig. Ich mache das jetzt. Reha gibts im Jobcenter nicht. Was bedeutet berufliche Reha überhaupt? Ich kenne Reha nur bei Umschulungen. Ich gebe Ihnen jetzt den Antrag auf ALG II mit und dann schauen wir, welchen Job Sie machen können. Ich schaue mir mal Ihr Gutachten an. Aha, also können Sie 8 Stunden pro Tag arbeiten. Wenn Sie in Ihrem Beruf nicht mehr arbeiten können, müssen wir etwas anderes finden, z.B. am Fließband.

Mitarbeiter 4, Hotline Agentur für Arbeit:
Mitarbeiterin 3 macht es sich zu einfach. Auch im Jobcenter gibt es Rehavermittler. Mitarbeiterin 1 ist seit dem Tag als Sie bei ihr waren und sie die Reha in die Wege leiten wollte, nicht mehr für Sie zuständig. Gehen Sie zum Joobcenter und verlangen Sie den Teamleiter von Mitarbeiterin 3 zu sprechen.

Mitarbeiterin 5, Jobcenter:
Oh, davon habe ich gar keine Ahnung. Ich mache mich mal schlau. … Warten Sie hier. Mitarbeiter 6 ist gleich für Sie da.

Mitarbeiter 6, Jobcenter:
Der Gesetzgeber sieht vor, dass wir Ihnen einen Job besorgen. Wenn Sie nicht Vollzeit arbeiten können, werden Sie einen Teilzeitjob annehmen müssen. Da es diese in Ihrem studierten Beruf quasi nicht gibt, werden Sie etwas fachfremdes machen müssen und wir stocken das Gehalt dann auf Hartz IV-Niveau auf. Mit Reha haben wir hier nichts zu tun. [Telefonat mit MItarbeiterin 1] Sie haben keinen Anspruch auf Reha, weil Sie in Ihrem letzten Job vor der Diagnose keine 360 Tage gearbeitet haben. Außerdem bedeutet eine berufliche Reha nur, dass festgestellt wird, in welchem Umfang Sie arbeiten können.

Mitarbeiter des Berufsförderungswerks:
Da haben Sie ja eine Menge falscher Aussagen bekommen. Eine berufliche Reha hängt weder von Ihrem letzten Beschäftigungsverhältnis noch von dem Bezug von ALG II ab, sondern nur davon, ob eine berufliche Reha nötig ist. Selbstverständlich geht es in einer solchen Reha nicht nur um die Feststellung Ihrer Arbeitsfähigkeit. Gehen SIe zur Rehaabteilung in der Agentur für Arbeit und lassen Sie sich einen Antrag auf „Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben“ geben und stellen Sie den Antrag selbst. Je mehr Gutachten Sie von Ihren Ärzten bekommen, umso besser. SIe müssen angeben, warum Sie diese Reha machen möchten. „Fit werden“ wäre ein Fall für eine medizinische Reha. In Ihrem Fall könnte es schwierig werden, da Sie in Ihrem erlernten Beruf arbeiten möchten. Aber unmöglich ist es nicht. Wir können Sie bei der Erlangung eines Arbeitsplatzes unterstützen oder auch eine Belastungserprobung und Trainingsmaßnahmen durchführen, um zu testen, wie sie unter Stress reagieren und welche Arbeiten Sie aktuell durchführen können.

Nichts verstanden? Ich glaube, das ist von denen so gewollt. Verwirrung statt Unterstützung ist deren Taktik.

Diese Schlacht ist noch nicht verloren! Ich kämpfe und erarbeite gerade den Schlachtplan!